Am Wochenende über den 07. bis 09. November fand die Bezirksjugendeinzelmeisterschaft statt. Gewonnen haben in der U12 Jonathan Dresenkamp, U14 Niklas Erbe, U16 Paul Brackman und in der U18 Felix Bönsch.
Der eifrige Leser wird sich daran erinnern, dass bereits vom 28.02. bis zum 02.03. die Bezirksjugendeinzelmeisterschaft in den Altersklassen U14 bis U18 stattgefunden hat. Da ist die Frage berechtigt, warum vom 07. bis zum 09. November schon wieder eine BJEM ausgetragen wurde.
Der Hintergrund sind Verschiebungen auf Verbandsebene. Fanden die SJR Einzelmeisterschaften für die Altersklassen U14 bis U18 in diesem Jahr noch in der ersten Osterferienwoche statt, werden sie 2026 vom 03. bis zum 06. Januar stattfinden. Da gibt es für das Qualifikationsturnier keine andere Möglichkeit, als in den Herbst des Vorjahres auszuweichen.
Damit lässt sich auch ein weiteres Kuriosum erklären: Die verschobenen Altersgrenzen für die Altersklassen. Normalerweise rechnet man vom aktuellen Jahr einfach zurück und nimmt den 01.01. als Stichtag. Bei der U14 würde das beispielsweise bedeuten, dass vom Jahr 2025 14 Jahre abgezogen werden, der Stichtag wäre also der 01.01.2011. Da die BJEM aber ein Qualifikationsturnier für die Verbands-, NRW- und Deutschen Jugendeinzelmeisterschaften sind, die alle im nächsten Jahr stattfinden, muss auch der Bezirk die Altersklassen vom nächsten Jahr anwenden. Für die U14 galt also Jahrgang 2012 und jünger.
Die letzte Neuerung (danach geht es aber wirklich los mit dem eigentlichen Bericht – versprochen!) ist, dass nun auch die U12 bei der BJEM mit Turnierpartien und DWZ-Auswertung mit dabei ist. Letzte Saison war die U12 noch Teil des Schnellschachturnieres, zusammen mit der U8 und U10. Auch hier ist der Verband „schuld“, der seit dieser Saison auch für die U12 eine Qualifikation voraussetzt.
Verglichen mit 15 Anmeldungen aus letzter Saison gab es mit 19 Anmeldungen einen kleinen Zuwachs zu verzeichnen. Noch erfreulicher war, dass in der letzten Runde immer noch 17 Jugendliche gespielt hatten. Gegenüber vormals 10 Spielern war dies eine deutliche Verbesserung. Aufgrund der Anmeldezahlen war es möglich, dass Teilnehmerfeld in zwei Gruppen aufzuteilen; Die U12 und U14 spielten in einer Gruppe zusammen, die U16 und U18 in einer anderen Gruppe.
In der ersten Runde am Freitag entsprach der Ausgang der meisten Partien den Erwartungen, wenn nach Schweizer System gespielt wird. Nur Neuzugang Maksimilian Sperlins schaffte es, den deutlich älteren Padmanaban Virgraman zu bezwingen, und Timon von Roell errang nach 2¾ Stunden ein Remis gegen den deutlich DWZ-Stärkeren Gabriel Emekli.
Runde zwei am Samstagmorgen startete erfreulicherweise damit, dass alle 19 Teilnehmer pünktlich anwesend waren. Das führte unerfreulicherweise dazu, dass Nele Wahser spielfrei gelost wurde. Anstatt 3½ Stunden auf die nächste Runde zu warten, entschloss sie sich, daheim an ihren Mathematik-Hausaufgaben zu arbeiten. Der Rest der U12&U14-Gruppe zauberte ein übersichtliches 1-0-1-0 in die Ergebnistabelle.
Am letzten Brett der U16&U18-Gruppe hatte Paul Brackmann eine deutlich vorgeschobene Bauernstruktur und mit dem Läufer gegen den schwarzen Springer die theoretisch bessere Leichtfigur in einem Endspiel. Allerdings war die Stellung doch nicht so offen, wie es für einen Läufer wünschenswert gewesen wäre, und so konnte Emin Sariev seinen Bauernvorteil im Verlauf des Endspiels noch massiv ausbauen und so den Sieg erlangen. Die meiste Bedenkzeit verwendete Felix Bönsch, und das völlig zu Recht, denn letztendlich musste Top-Favorit Rouven Brans in einem verlorenen Turmendspiel die Waffen strecken.
Runde 3 überraschte damit, dass nach 20 Minuten bereits 3 Partien beendet waren – hier hat sich die Strategie, anzufangen zu blitzen und darauf zu hoffen, dass die Gegner mitblitzen und Fehler machen, offensichtlich ausgezahlt. Nach nicht einmal einer dreiviertel Stunde spielten in beiden Gruppen nur noch die ersten zwei Bretter. Dabei erwies sich Nele Wahser als besonders zähe Gegnerin. Obwohl sie bereits recht früh im materiellen Nachteil gegen ihren Vereinskollegen Padmanaban Vigraman war, bat sie bis tief ins Endspiel hinein Gegenwehr. Neben ihr am Spitzenbrett sah sich auch Niklas Erbe einem massiven Angriff ausgesetzt. Ein Sprichwort besagt jedoch „Es ist nichts schwieriger, als eine gewonnene Stellung zu gewinnen“, und so gelang es seinem Gegner Fedaa Abrash nur, die vierte und fünfte Reihe in eine Betonwand aus Bauern zu verwandeln. Auf der h-Linie hatte diese Betonwand aber ein Loch, durch welches Erbe zwei Türme hindurch schicken und seinen Gegner Matt setzen konnte.
In der vierten Runde und damit der ersten Runde am Sonntag kam es zu der unglücklichen Konstellation, dass es in beiden Gruppen einen spielfreien Spieler gab. Um nicht stundenlang warten zu müssen, haben sich die beiden Betroffenen entschlossen, eine Turnierpartie gegeneinander zu spielen. Generell haben einige Spieler die Ernsthaftigkeit in ihren Partien vermissen lassen. Nach einer Stunde war bereits die Mehrheit der Partien beendet. Es wurden Partien analysiert, in denen alle drei Züge eine Figur eingestellt wurde.
Das trifft jedoch nicht auf Roni Mohamad zu, der zwar im Partieverlauf einen Bauern an seinen Gegenspieler Fedaa Abrash verlor, aber trotzdem bis ins Endspiel hinein versuchte, den Partieverlauf zu drehen. Und auch Timon von Roell hatte ein rein materiell zwar verlorenes, aber von Felix Bönsch gar nicht so leicht zu gewinnendes Turmendspiel auf dem Brett, obwohl er einen Springer mehr auf dem Brett hatte. Bönsch musste die Stellung lange kneten, bis er den Sieg einfahren konnte.
In der letzten Runde gab es einige Erkenntnisse:
- Timon von Roell hatte die Erkenntnis, dass man seinen f-Bauern nicht im falschen Moment selbst fesseln sollte, denn dann kann er nicht mehr vorrücken, um den Angriff von Can Ali abzuwehren.
- Für Niklas Erbe gab es die Erkenntnis, dass es sich lohnen kann, auch nach mehreren Stunden nicht locker zu lassen, um im Endspiel endlich den positionellen Vorteil in einen materiellen Vorteil umwandeln zu können.
- Zwei Spieler hatten die Erkenntnis, dass sie auf diesem Turnier nicht ihr volles Potential abrufen konnten und sie DWZ verlieren werden.
- Für die Turnierleitung gab es die Erkenntnis, dass man bei einem so langen Turnier für 10-Jährige Jungs eine Beschäftigung in der Hinterhand haben sollte, am besten draußen.Ebenfalls zu erkennen war, dass man gar nicht genau sagen kann, wie lange eine Partie noch dauern wird, wenn mit Increment gespielt wird.